Von Miklos Weiszhaupt · 29.09.2026
Wer täglich Websites für andere baut, kennt das Phänomen: Die eigene Seite kommt immer zuletzt. Unsere war über die Jahre gewachsen, an vielen Stellen überladen und passte längst nicht mehr zu dem, wofür wir heute stehen. Es war Zeit für einen Relaunch, und wir wollten dabei gleich ausprobieren, wie weit man mit KI-Unterstützung in einem echten Webprojekt kommt.
Am Anfang stand kein Design, sondern die Frage: Was wollen wir eigentlich sagen, und wie? Dafür haben wir gemeinsam mit dem Marketingberater Gilbert Schwartmann einen Workshop durchgeführt. Schon hier war die KI mit am Tisch: als Sparringspartner, der Ideen strukturiert, Formulierungen vorschlägt und Varianten durchspielt.
Das Ergebnis nach nur einem Tag: eine klare Struktur für die Startseite und ein Plan, welche Folgeseiten wir wirklich brauchen.
Im nächsten Schritt ging es an Gestaltung und Texte. Die KI bekam von uns klare Vorgaben, brachte aber auch eigene Ideen ein. Am besten lässt sich der Prozess als Diskussion beschreiben: Vorschlag, Kritik, Überarbeitung, und das so lange, bis die Seite optisch und inhaltlich im Wesentlichen stand. Dabei entstanden auch Ideen, auf die wir selbst so vermutlich nicht gekommen wären, bis hin zu JavaScript-Animationen, die wir ohne KI wohl nicht programmiert hätten.
Hier ein Beispiel:
Bots, Brute-Force-Versuche, Scanner, SQL-Injection: alles wird vor der Anwendung gestoppt. Was unten durchläuft, sind echte, gefilterte Anfragen aus den letzten Minuten.
Zwei Themen erwiesen sich allerdings als hartnäckig:
Barrierefreiheit und Kontraste. Viele Gestaltungsvorschläge der KI hatten schlicht zu wenig Kontrast. Hier mussten wir etliche Runden drehen, bis es einigermaßen passte, und ehrlich gesagt sind einige Elemente noch nicht optimal. Die technische Umsetzung der Anpassungen funktionierte dagegen sehr gut. Das Problem lag im Entwurf, nicht im Code.
Responsivität. Auch die Darstellung auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen war komplizierter als gedacht. Hier war viel manuelle Nacharbeit nötig.
Für die technische Umsetzung in TYPO3 haben wir Claude Code eingesetzt, und zwar zunächst im Stil des sogenannten Vibe Codings: Die KI hat den Code eigenständig entwickelt, wir haben beschrieben, was wir wollen, und Ergebnisse bewertet. Seitentemplates und Inhaltselemente entstanden so in kürzester Zeit. Bei weiteren Seiten haben wir bestehende Elemente gezielt erweitert, statt ständig neue zu entwickeln.
Ganz ohne Stolpersteine lief es aber nicht.
Die KI hat für jedes neue Inhaltselement bereitwillig auch neue Datenbankfelder angelegt. Jedes Mal. Irgendwann war die Datenbank so aufgebläht, dass das Anlegen weiterer Felder schwierig wurde. Im Nachhinein ist klar: Wir hätten von Anfang an vorgeben müssen, dass vorhandene Felder möglichst auch von anderen Inhaltselementen genutzt werden sollen. Die KI optimiert auf die aktuelle Aufgabe, den Blick aufs große Ganze muss der Mensch mitbringen.
Ein schönes Beispiel ist unsere TYPO3-Versionsmatrix. Die erste Umsetzung sah gut aus, war aber im Backend kaum sinnvoll zu bearbeiten: Datumsangaben ließen sich nur als Dezimalwerte eintragen, und die Markierung für „heute" hätte regelmäßig von Hand angepasst werden müssen. Erst mit der konkreten Vorgabe, dass Monat und Jahr direkt eingetragen werden sollen und für den aktuellen Zeitpunkt das Serverdatum verwendet wird, entstand eine wirklich gute Lösung.
TYPO3 liefert alle 18 Monate eine neue LTS-Version. Wer eine alte Version betreibt, verliert irgendwann den kostenlosen Security-Support. ELTS verlängert — kostenpflichtig. Die Timeline zeigt den realen Stand.
Im TYPO3-Backend wurde eine einfaches und flexibles Eingabefeld erstellt.
Hier kann man die Werte der x-Achse und die TYPO3-Versionen eintragen.
Die Farbe orientiert sich an den Werten “supported | elts | eol”.
So schnell der Prototyp entstanden war: Als Agentur sind wir überzeugt, dass Code in dieser Form nicht online gehen sollte. Deshalb hat ein Entwickler den Code übernommen, geprüft, an vielen Stellen optimiert und an unsere Entwicklungsprozesse und Coding Guidelines angepasst.
Das Überraschende: Diese Nacharbeit hat am Ende länger gedauert als die eigentliche Entstehung der Seite.
Konzeption, Design und die Programmierung der Inhaltselemente liefen mit KI deutlich schneller als gewohnt. Die Arbeit hat viel Spaß gemacht und uns kreative Impulse gegeben, die wir nicht missen möchten. Für eine prototypische Umsetzung ist KI eine echte Erleichterung.
Gleichzeitig hat sich gezeigt: Barrierefreiheit, Responsivität, saubere Datenstrukturen und wartbarer Code entstehen nicht von allein. Dafür braucht es Erfahrung, klare Vorgaben und am Ende Menschen, die den Code verstehen und verantworten. Die Zeitersparnis am Anfang wird ein Stück weit von der Nacharbeit wieder aufgezehrt. Wer das von vornherein einplant, kann KI aber sehr gewinnbringend einsetzen.
Übrigens: Auch die meisten Bilder auf unserer neuen Website sind mit KI generiert. Das ist allerdings ein eigenes Thema, dem wir einen separaten Beitrag widmen.
Wenn Sie wissen möchten, was KI-gestützte Entwicklung für Ihre Website bedeuten kann, sprechen Sie uns gern an.
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