SEO & GEO

SS
Stefan Schütt
14. March 2023

Ein Zeichen, das über Ihr Ranking entscheidet: der Trailing Slash

von Stefan Schütt · 14.03.2023

 

Worum es geht

Wenn dieselbe Seite unter zwei verschiedenen URLs erreichbar ist und niemand etwas dagegen unternimmt, sieht Google zwei konkurrierende Seiten. Für das Ranking ist das oft verheerend.

Zu Duplicate Content gibt es unzählige Artikel. Die meisten behandeln den Aufruf mit und ohne www sowie mit und ohne https. Der Schrägstrich am Ende einer URL kommt darin fast nie vor, obwohl er genau denselben Effekt hat.

example.com/page und example.com/page/ sind für Suchmaschinen unter Umständen zwei getrennte Seiten mit identischem Inhalt. Die Rankingsignale verteilen sich dann auf beide URLs, und keine von beiden erreicht ihr volles Potenzial.

Ist das wirklich relevant oder nur SEO-Folklore?

Die Frage ist berechtigt. Im SEO-Umfeld kursiert einiges, was sich bei genauerem Hinsehen nicht halten lässt. Hier gibt es allerdings eine belastbare Quelle: John Müller, der als halboffizielles Sprachrohr von Google gilt, hat die Relevanz des Trailing Slash schon 2017 ausdrücklich bestätigt.

„Trailing slashes matter." Das gilt für jede URL außer der blanken Domain.

Man könnte sich natürlich auf eine Variante festlegen und für die andere einen 404 zurückgeben. Sauber wäre das, jedenfalls aus SEO-Sicht. Nur vergessen Nutzer den Slash beim Eintippen regelmäßig und erwarten trotzdem die richtige Seite. In der Praxis scheidet diese Lösung deshalb aus.

Lösungsvariante 1: 301-Redirect

Der Browser wird per 301 aufgefordert, die Seite unter der kanonischen URL aufzurufen. Das funktioniert für Suchmaschinen und Nutzer gleichermaßen und ist in den meisten Fällen der richtige Weg.

.htaccess: Slash entfernen

 

# Remove trailing slash to avoid duplicate content
RewriteCond %{REQUEST_FILENAME} !-d
RewriteRule ^(.*)/$ /$1 [L,R=301]

 

.htaccess: Slash erzwingen

 

# Enforce trailing slash to avoid duplicate content
RewriteCond %{REQUEST_URI} !(/$|\.)
RewriteRule (.*) %{REQUEST_URI}/ [R=301,L]

 

Lösungsvariante 2: Canonical Tag

Beide Varianten werden mit einem 200er ausgeliefert und tragen beide ein Canonical Tag, das auf die gewünschte Version zeigt.

Aspekt 
VorteilDie Weiterleitung entfällt. Ein HTTP-Request weniger bringt einen kleinen Performance-Gewinn.
NachteilDas Canonical Tag korrekt zu erzeugen ist meist aufwendiger als ein genereller Redirect in der .htaccess.
<link rel="canonical" href="https://www.example.com/page/">

 

Die verbotene Variante

Beide URLs liefern einen 200er und ein Canonical Tag fehlt. Damit ist der Duplicate Content da. Diese Konstellation begegnet uns in der Praxis regelmäßig und fällt selten jemandem auf, weil aus Nutzersicht ja alles funktioniert.

Wer misst, misst Mist

Beim Testen gibt es einen Fallstrick. Manche Browser entfernen den Trailing Slash in der Adressleiste aus optischen Gründen. Man glaubt dann, die Seite ohne Slash aufgerufen zu haben. Beim www machen Browser das genauso.

Verlässlich wird es mit curl auf der Kommandozeile. Wer das nicht zur Hand hat, schaut in den Netzwerk-Tab der Developer-Tools.

 

curl --head example.com/page

HTTP/2 200
content-language: de
x-typo3-parsetime: 0ms

 

Entscheidend ist die erste Zeile. Ein 200 bedeutet, dass die Seite direkt unter dieser URL ausgeliefert wurde. Bei einer Weiterleitung sieht die Antwort so aus:

 

HTTP/2 301
location: example.com/page/
cache-control: max-age=0

 

Kommt in beiden Fällen ein 200 zurück und fehlt das Canonical Tag, sollten Sie tätig werden.

Eine Ausnahme: die blanke Domain

Wird nur die Domain aufgerufen, entsteht kein Duplicate Content. example.com und example.com/ sind für Google dieselbe Seite. Ein Redirect oder Canonical Tag ist hier nicht nötig. Schaden tut beides aber auch nicht.

Slash oder nicht Slash, das ist hier die Frage

Bleibt die Frage, welche Variante man zum Standard macht. Die Antwort ist unspektakulär: Google ist es egal. Wichtig ist nur, dass Sie sich entscheiden und dann dabei bleiben.

Der Trend geht zu URLs ohne Trailing Slash. Browser blenden ihn ohnehin zunehmend aus. Dazu kommt, dass ein Slash traditionell auf ein Verzeichnis hinweist, während wir in aller Regel eine Seite aufrufen, auch wenn die physisch gar nicht als Datei existiert.

Beim Relaunch besonders kritisch

Wechselt eine Website beim Relaunch die Slash-Konvention, laufen alle bestehenden Weiterleitungen in Ketten. Erst geht es auf die neue URL, dann noch einmal auf die Slash-Variante. Das kostet Crawl-Budget und verwässert die Signale. Klären Sie die Konvention deshalb, bevor Sie die Redirect-Liste aufsetzen, nicht hinterher.

Geschrieben von Stefan Schütt, Pagemachine AG