Für das Comparative Regional Organizations Project der Universität Göttingen haben wir aus einer Excel-Sammlung ein Portal gemacht, auf dem sich Regionalorganisationen von 1945 bis heute miteinander vergleichen lassen.
Die Georg-August-Universität Göttingen gehört zu den forschungsstärksten Universitäten Deutschlands. Am Institut für Politikwissenschaft betreuen Prof. Dr. Anja Jetschke und Sören Münch das Comparative Regional Organizations Project.
CROP untersucht, wie sich Regionalorganisationen gegenseitig beeinflussen. Dafür wurden Gründungs- und Änderungsverträge von mehr als 80 Organisationen seit 1945 gesammelt und ausgewertet. Weltweit ist das eine der größten Datensammlungen zu diesem Thema.
Die Anfrage war ungewöhnlich konkret: Es gab bereits Daten, es gab bereits Forschungsfragen, und es fehlte alles dazwischen. Niemand außerhalb des Instituts konnte mit der Tabelle etwas anfangen.
Wir haben daraus ein Portal gebaut, das die Daten in Diagramme übersetzt. Linien, Radar, Balken, Blasen und gestapelte Balken, jeweils frei filterbar nach Region, Organisation und Zeitraum. Die Grafik ändert sich sofort, ohne dass die Seite neu lädt.
Neue Datenstände pflegt der Fachbereich weiterhin selbst in Excel und spielt sie direkt in dafür gebaute TYPO3-Tabellen ein. Kein Umweg über uns, keine veralteten Zahlen auf der Website.
„Ein Datensatz nützt nur, wenn man ihn auch zeigen kann. Genau das leistet die Website.“
Institut für Politikwissenschaft, Uni Göttingen
Das Institut hatte jahrelang Gründungs- und Änderungsverträge gesammelt, gelesen und Merkmal für Merkmal kodiert. Das Ergebnis war eine Excel-Datei. Fachlich wertvoll, für alle anderen unlesbar.
| Jahr | Sekretariat | Streitbeilegung | Parlament |
|---|---|---|---|
| 1950 | 8 | 2 | 1 |
| 1960 | 18 | 5 | 2 |
| 1970 | 34 | 11 | 6 |
| 1980 | 52 | 21 | 14 |
| 1990 | 68 | 33 | 24 |
| 2000 | 80 | 45 | 34 |
| 2010 | 89 | 58 | 45 |
| 2020 | 95 | 71 | 58 |
Über 300 kodierte Merkmale je Vertrag. Wer die Codes nicht kennt, sieht hier nur Nullen und Einsen.
Dieselben Daten, gefiltert nach Region und Zeitraum. Drei Klicks bis zur Aussage, kein Fachwissen nötig.
Das Corporate Design der Uni Göttingen war gesetzt. Die Frage war, wie sich Filterleiste und Diagramm darin unterbringen lassen, ohne dass die Seite wie ein Analysewerkzeug aussieht.
Erste Struktur der Diagrammseite, inklusive der Bedienelemente für die Filter. Hier fiel die Entscheidung, die Filterleiste über und nicht neben das Diagramm zu setzen.
Farben, Typografie und Raster angelehnt an das Uni-CI. Die Diagrammfarben mussten sich davon absetzen und trotzdem dazu passen.
Die fertige Seite, responsiv bis zum Diagramm. Auf schmalen Displays klappt die Legende unter die Grafik, statt sie zusammenzuquetschen.
Jeder Diagrammtyp beantwortet eine andere Frage. Die Filterleiste bleibt überall gleich, damit man sie nur einmal verstehen muss.
Wie sich ein Merkmal über die Jahrzehnte entwickelt hat, für eine oder mehrere Organisationen nebeneinander.
Zwei Merkmale auf den Achsen, ein drittes in der Größe der Blase. Zeigt Zusammenhänge, die in Tabellen untergehen.
Das institutionelle Profil einer Organisation auf einen Blick, gut geeignet für den direkten Vergleich zweier Verträge.
Woraus sich ein Wert zusammensetzt, etwa welche Politikfelder ein Vertrag abdeckt und in welchem Verhältnis.
Organisationen im direkten Größenvergleich, sortierbar nach jedem erfassten Merkmal.
Welche Organisationen sich Regeln voneinander abgeschaut haben. Die Diffusionsfrage, um die es im Forschungsprojekt geht.
Fünf Stationen, die eine Zahl durchläuft, bevor sie jemand auf der Website sieht. Wichtig war uns, dass das Institut die ersten beiden Schritte allein gehen kann.
Verträge lesen, Merkmale nach festem Schema eintragen. Passiert weiterhin in Excel, weil das dort am schnellsten geht.
Die Datei wird eingelesen und auf die dafür gebauten TYPO3-Tabellen verteilt. Kein Deployment, kein Entwickler nötig.
Eigene Tabellen statt Zweckentfremdung von tt_content. Das Schema folgt der Kodierlogik des Fachbereichs.
Die Auswahl im Browser fragt nur die benötigten Werte ab. Vue.js hält den Zustand, die Seite bleibt stehen.
Highcharts zeichnet neu. Wer will, lädt das Ergebnis als PDF herunter, inklusive der gesetzten Filter.
Drei Themen haben das Projekt geprägt. Zwei davon hatten wir so nicht auf dem Zettel.
Ein Merkmal heißt in der Tabelle inst_14. Auf der Achse eines Diagramms muss dort ein Satz stehen, den auch jemand versteht, der das Codebuch nie gesehen hat. Diese Übersetzung haben wir gemeinsam mit dem Fachbereich erarbeitet.
Die Sammlung war zum Projektstart nicht abgeschlossen. Das Datenmodell musste also neue Organisationen und neue Merkmale aufnehmen können, ohne dass jedes Mal jemand an der Datenbank arbeitet.
Die Seite richtet sich an eine internationale Fachöffentlichkeit. Übersetzt sind deshalb nicht nur die Texte, sondern auch Filterlabels, Achsenbeschriftungen, Tooltips und die Titel der Downloads.
Drei Schwerpunkte im Detail
Die Universität hat ein bestehendes Erscheinungsbild, an das sich das Projekt anpassen musste, ohne wie eine Unterseite der Uni-Website auszusehen. Wir haben Wireframes gebaut, in denen die Filterelemente von Anfang an mitgedacht waren, und daraus Layoutraster, Farbwahl und Templates abgeleitet. Die Diagrammfarben haben wir bewusst als eigene Palette angelegt, damit sie sich vom Fließtext absetzen und untereinander unterscheidbar bleiben, auch bei fünf Reihen in einem Diagramm.
Seitenstruktur, Texte, Publikationen und Downloads liegen in TYPO3 und werden normal redaktionell gepflegt. Die Diagrammseiten binden zusätzlich eine Vue-Anwendung ein, die auf einen eigenen Datenendpunkt zugreift. Dadurch reagieren die Filter sofort, während der Rest der Seite serverseitig gerendert bleibt und für Suchmaschinen lesbar ist. Highcharts übernimmt das Zeichnen und liefert den PDF-Export gleich mit.
Ein Forschungsprojekt läuft über Jahre, eine Agenturbeauftragung selten. Deshalb war von Anfang an klar, dass das Institut nach der Übergabe allein weiterkommen muss. Inhalte, Publikationslisten und Downloads pflegt der Fachbereich im Backend, neue Datenstände kommen über den Excel-Import dazu. Wir haben die Redaktionsoberfläche entsprechend aufgeräumt, damit im Backend nur auftaucht, was auch wirklich gebraucht wird.
Aus einer Excel-Sammlung ist ein Portal geworden, mit dem Forschung, Lehre und interessierte Öffentlichkeit gleichermaßen arbeiten können. Die Daten bleiben in der Hand des Instituts, die Website macht sie zugänglich, und für eine Aktualisierung muss niemand bei uns anrufen.
Für uns war das Projekt vor allem eine Übung in Weglassen. Über 300 kodierte Merkmale lassen sich nicht gleichzeitig zeigen. Die eigentliche Arbeit lag darin, gemeinsam zu entscheiden, welche Vergleiche eine eigene Oberfläche verdienen und welche besser im Datendownload aufgehoben sind.
Die Website läuft unter comparativeregionalorganizations.org und wird vom Institut für Politikwissenschaft weiter gepflegt.
Ob Forschungsdaten, Produktkataloge oder Kennzahlen: Wir bauen die Struktur darunter und die Ansicht darüber. Erzählen Sie uns einfach, was in Ihrer Tabelle steht.
Frankfurt am Main, persönlich, telefonisch oder per Video.