Skip to main content

Mit einem Klick mehr über uns erfahren

Global Service Jam 2018

Global Service Jam – Neue Service-Konzepte in 48 Stunden mit Design Thinking

Wir arbeiten bei Konzeption und Design schon längere Zeit mit Design-Thinking-Methoden. Beim Global Service Jam in Wiesbaden wurden diese genutzt, um in nur 48 Stunden aus einem abstrakten Thema konkrete Service-Konzepte zu entwickeln. Für uns Gelegenheit, unser Wissen anzuwenden, uns darüber auszutauschen und (noch) mehr zu lernen.

Global Service Jam?

Den Global Service Jam gibt es seit 2011. Teams aus der ganzen Welt (inzwischen über 80!) kommen an unterschiedlichen Orten an einem Wochenende zusammen, um mit Design-Thinking-Methoden zu einem gemeinsamen Thema innovative Dienstleistungskonzepte zu entwickeln.

Unterstützt werden die Teams von erfahrenen Jammern, die als Coaches agieren. Sie koordinieren und erklären Methoden sowie Agenda. Bei Bedarf stehen sie jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Weniger als 48 Stunden Zeit

Von Freitagabend bis Sonntagmittag arbeiten die Teams daran, aus einem abstrakten Thema konkrete Problemstellungen zu finden, Lösungsideen zu entwickeln, zu testen, zu verfeinern um am Ende einen finalen Prototypen zu präsentieren. Dabei arbeiten Designer, Entwickler oder Psychologen zusammen. Gerade diese bunte Mischung an Fähigkeiten und gelernten Problemlösungs-Strategien ist das Besondere am Global Service Jam.

Immer etwas außerhalb der eigenen Komfortzone

Die Zeitvorgabe ist sportlich. Aber der ständige Zeitdruck und damit der Zwang, andauernd zu improvisieren, gehören zum Konzept. Geht es doch um Innovation und nicht um Perfektion. Das Ergebnis sind spannende innovative Lösungen und vor allem viel Spaß für die Teilnehmer.

Wenn ihr noch mehr wissen wollt: Links findet ihr weiter unten.

Das Ergebnis:
Eine Vielzahl unterschiedlicher Lösungen

Alle Konzepte der Teams aus weltweit über 80 Städten werden am Sonntag unter einer Creative Commons License veröffentlicht.

Die Methode: Design Thinking. Was ist das?

Laut Wikipedia ist Design Thinking ist ein Ansatz zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen. Ziel sind Lösungen, die aus Anwendersicht überzeugend sind. Eigentlich ist Design Thinking weder Methode noch Prozess, sondern ein Ansatz, der sich als Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen an der Arbeit von Designern orientiert.

Der Global Service Jam Wiesbaden

Das Event fand vom 9.3.2018 bis zum 11.3.2018 in Wiesbaden statt, parallel mit über 80 ähnlichen Veranstaltungen weltweit. Eine Beschreibung des Ablaufs ist vielleicht am besten geeignet, um auch das Konzept zu verstehen.

Tag 1:

Start Freitag Abend:

18:00 Uhr: die Teilnehmer trafen sich in den Räumen von Seibert Media in Wiesbaden.
Erst mal lockeres Kennenlernen der Teilnehmer untereinander und ein kurzer Überblick darüber, was der GSJam ist und worum es geht. Fast alle der 30 Teilnehmer waren zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung dabei.

Wir waren dabei. Zum Kennenlernen gabs am Anfang von jedem Teilnehmer einen kurzen Steckbrief mit Polaroid…

20:00 Uhr: mit der Bekanntgabe des Themas begann die Zeit zu laufen.

Das Thema war in einer kurzen Videobotschaft eingebettet, in der auch die Regeln noch einmal erklärt wurden.

“YES, NO, MAYBE” Ein Thema, das gar keins war.
Klingt wenig greifbar. Das war auch der erste Eindruck fast aller Teilnehmer. Also Brainstorming, um möglichst schnell möglichst viele Assoziationen zum Thema zu finden. Nicht ganz einfach zu 30-igst. Aber die Coaches hatten eine Kreativ-Technik parat, die das volle Potenzial einer großen Gruppe nutzt.

Achtung Buzzword: “Brainwalking”

Dabei laufen Gruppen von 6 bis 8 Personen im Kreis. Jeder Teilnehmer, der die Wand erreicht, muss, egal ob sinnvoll oder nicht, ein Post-it mit einem Gedanken an die Wand hängen. In nicht einmal 10 Minuten hingen hunderte Post-its an der Wand.

Wow: Erste Themengruppen in unter 45 Minuten.
Das Clustern erfolgte ähnlich. Jeweils 5-6 Teilnehmer begannen, die Gedanken zu Gruppen aufzuteilen. Im Minutentakt wurde gewechselt, bis alle Ideen verteilt waren. Karten ohne jeden Bezug wurden entfernt. In kürzester Zeit hatten sich so aus dem abstrakten Thema bearbeitbare Themengruppen herauskristallisiert:

  • Protest/Anti Anti
  • Soziales
  • Lebensorientierung
  • Freundschaften
  • Get the Shit done (nicht gewählt)
  • Digitales (nicht gewählt)
  • Food (nicht gewählt)

Zeitdruck machts möglich: konkrete Themen am Ende von Tag 1

Arbeitsgruppen waren schnell gefunden. Jeder entschied sich für ein Thema. Die vier Themen mit dem größten Zuspruch hatten “gewonnen”. Kleinere Gruppen wurden aufgeteilt.

In diesen wurden die Ideen des jeweiligen Themenkomplexes bewertet und diskutiert. Nach 45 Minuten musste eine Entscheidung für ein Thema fallen, das zum Abschluss des Tages dem Plenum präsentiert wurde.

Fazit Tag 1: Viel erreicht und doch wenig.
Spätestens jetzt war allen klar, die Zeit würde knapp werden. Im Vergleich zum Ausgangspunkt war viel erreicht. Trotzdem gerade erst genug realisiert, um am nächsten Tag mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen.

Tag 2:

9:00 Uhr: Kurzes gemeinsames Frühstück, Warm-up, Vorstellen und Erklären der Agenda für den Tag. Und eine wirklich spannende Keynote zum Thema Service Design von BennoLoewenberg.

Vortrag zu Service Design

An die Arbeit:

Agenda Tag 2

Die Arbeitsgruppen für die einzelnen Themen hatten sich schon gefunden. Also konnte es direkt losgehen.

Der Nutzer steht beim Service Design immer im Mittelpunkt

Service Design ist immer nutzerorientiert. Also ging es als erstes darum, stellvertretend für die Zielgruppe ein Persona und dann ein Problem zu finden, das der geplante Service für diese Person löst.

Test early, fail early

Eines der Grundprinzipien von Design Thinking ist, Ideen (später Lösungen) immer so früh und so schnell wie möglich zu überprüfen.

Also Interviews auf der Straße, um zu prüfen, ob die unterstellten Probleme für die Zielgruppe als relevant und die ersten Lösungsideen als geeignet empfunden werden, sie zu lösen. Die Antworten wurden direkt in verfeinerte Lösungen umgesetzt. Diese wurden in Empathy Maps eingetragen und zusammengefasst. Am Ende fiel die Entscheidung für jeweils eine Lösung, die weiter bearbeitet werden sollte.

Danach: Mittagessen. Kurz aber sehr lecker.

Achtung Buzzword: “Customer Journey”

Im Laufe des Nachmittags wurden Schritt für Schritt Lösungen konkreter ausgearbeitet und immer wieder auf der Customer-Journey-Matrix überprüft:

  • Welches Problem haben “Kunden” und wie fühlen sie sich.
  • Wie kommen sie mit dem Service in Berührung.
  • Was tut und empfindet er (oder sie), wenn er den Service nutzt.
  • Welche Lösung steht am Ende. Welchen Nutzen hat der Kunde und fühlt sich der Kunde mit dem Ergebnis.

Hand vor Flipchard auf dem Global Service Jam

Die Ungewissheit, wenn es kaum voran geht…

Alle Gruppen machten die gleiche Erfahrung. In den ersten Stunden verlief der Prozess langsam. Ein Schritt vor bei der Ideenfindung – zwei zurück bei der Überprüfung des Ergebnisses. Zurück auf Los. Neue Ideen. Und natürlich tickt immer die Uhr. Am Ende des Workshops sollten “fertige” Services präsentiert werden. Die Präsentation selbst würde ebenfalls wertvolle Zeit kosten.

…und der Kick, wenn sich plötzlich alles zusammenfügt

Aber irgendwann war der Punkt erreicht, an dem die Lösungsbausteine wie von selbst an ihren Platz fielen. Die Gruppen hatten plötzlich ein gemeinsames Bild der Lösung vor Augen. Mitunter war das eine Ablaufskizze, manchmal aber einfach nur ein Name. Aber jetzt war es auf einmal leicht, alle Aspekte zu bewerten. Und so nahmen die Ideen schnell immer greifbarere Formen an.

Zeit für erste Prototypen

Konkret genug, um erste Prototypen zu entwickeln. Die skizzenhafte Modelle waren zwar alles andere als schön. Aber es ging ausschließlich darum, die Nutzung des Service simulieren zu können.

Prototypen Test
Schnell wurde noch die Prototypen verbessert und getestet. Bild: @EnjoyCLS

Wieder raus auf die Straße, um die Prototypen an Probanden zu testen. Ist die Nutzung verständlich? Wird das Ergebnis als hilfreich empfunden? Welche Probleme oder Wünsche wurden nicht berücksichtigt?

2 Prototypen-Testerinnen im Fahrstuhl beim Global Service Jam
Auf dem Weg zu Interviews mit unserem Prototyp

Mit diesen Ergebnissen wurden die gefundenen Lösungen und die Prototypen noch einmal verändert.

Am Ende des Tages wurden die Lösungen wieder im Plenum vorgestellt. Das Feedback der gesamten Gruppe war wertvoll und sollte am nächsten Tag für weitere Verbesserungen genutzt werden.

Zeit für gemeinsames Chillen

20:00 Uhr: Den Kopf immer noch voller Ideen. Aber nach fast 12 Stunden wird konzentriertes Arbeiten immer schwerer. Also Schluss für heute. Zeit für Essen, Trinken und Spaß, passenderweise im “Finale”. Das war natürlich auch die Gelegenheit, etwas mehr über die Leute zu erfahren, die man beim gemeinsamen Arbeiten schon kennengelernt hatte.

Tag 3:

Nach dem kurzen Frühstück gabs die erste Überraschung. Die Coaches gaben bekannt, dass die Deadline von 15:00 Uhr auf 13:00 vorgezogen werden sollte, um sicher zu gehen, dass alle Ergebnisse rechtzeitig auf das Portal des Global Service Jam hochgeladen werden können.

Hier hätte sich sicher jeder mehr Zeit gewünscht. Aber das ist auch, was den GSJam ausmacht: Immer ein Bisschen außerhalb der eigenen Komfortzone zu sein. Zeitdruck kann auch Spaß machen. Auf jeden Fall erzielt man Ergebnisse, die man kaum für möglich halten würde. Also weiter: Ändern. Testen. Ändern. Testen…

180 Minuten bis zur Deadline. Jetzt zählt jede Minute.

Kurze Besprechungen in den Teams. Wieviel Zeit wird für die fertige Präsentation gebraucht – wieviel bleibt noch, um Lösungen noch einmal zu überarbeiten, zu testen und zu verfeinern.

Jeder macht, was er am besten kann…

Bei der Ausarbeitung der Präsentationen organisierten sich die Teams selbst.

Die bunte Mischung der Teilnehmergruppe beim Global Service Jam und die Vielfalt an Skills und Denkweisen sowie die Tatsache, dass immer alle gleichberechtigt an den Lösungen gearbeitet haben, hat die innovativen Lösungen und Ideen zwar erst möglich gemacht.

Aber beim Fertigstellen der Präsentation übernahm dann jeder einfach die Aufgaben, die er am besten kann. Beim Skribbeln der finalen Prototypen und beim Ausarbeiten der Präsentationen hatten z.B. die Designer – es gab gar nicht so viele – besonderen Spaß.

13:00 Uhr: Alles (fast) fertig.

Was zwischenzeitlich fast unmöglich schien, am Ende waren 4 Service-Lösungen fertig, Prototypen gebaut oder gescribbelt und Präsentationsvideos fertig abgedreht. Und um 15:00 waren alle Ergebnisse auf das GSJam-Portal hochgeladen. Der vorgezogenen Deadline sei Dank.

Wir sind gespannt auf die Lösungen der Teams, die bei den weltweit über 80 Jam-Veranstaltungen teilgenommen haben.

Zum Schluss das passende Giveaway: ein Glas Marmelade

Unsere Coaches haben uns viel mehr mit auf dem Weg mitgegeben: neue Skills, Methoden, Ideen und Inspirationen. Aber was würde zum Global Service Jam Giveaway besser passen als ein Glas Marmelade?

Über das Erinnerungsstück mit liebevoll getexteter Zutatenliste haben wir uns riesig gefreut.

Fazit:

Neue Skills, neue Methoden, neue Ideen und ganz ganz viel Inspirationen. Wir hatten uns einiges erhofft. Aber der Jam in Wiesbaden hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Vielen Dank an alle Teilnehmer, die so offen auf dem Event dabei waren! So macht Jammen Spaß!

Ein riesiges Dankeschön ans Orga-Team

Karo, Diana, Jambo, Minh, Norbert und Simone – ihr wart echt klasse! Danke für die Unterstützung und für die viele Arbeit im Vorfeld, um den Global Service Jam 2018 in Wiesbaden überhaupt möglich zu machen. Und – last but not least – SEIBERT MEDIA und Wisag haben uns Räume und Materialien zur Verfügung gestellt. Auch dafür herzlichen Dank.

Wenn es das nächste mal heißt “let’s Jam” sind wir definitiv wieder dabei!

Links:

https://www.thisishowwejam.org/

http://planet.globalservicejam.org/

https://www.servicejam-wiesbaden.de/

https://walls.io/i58yj

3 Gedanken zu „Global Service Jam – Neue Service-Konzepte in 48 Stunden mit Design Thinking

  1. Thanks for Jamming, and for writing about the Jams!

    In Jam terminology, we refer to local events as „Jams“, so you might say we had:
    – Jams in around 90 cities
    – more than 300 „Teams“ and prototypes ( a Team is a small group working together on the same project)
    and
    – several thousand participants.

    We speak of the „output“ of the Jams as prototypes. They are not (yet) solutions, more concretised, tangible hypotheses which invite further exploration and learning.

    But far more important than the outPUTS are the outCOMES – the new connections and friendships formed, new skills learned, new insights into the problem area, and of course a new attitude to problem solving, some inspiration and some fun.

    As we often say at the Jam „Musicians don’t jam to record an album, that is what a studio is for. They jam to test themselves, meet new collaborators, become better musicians, and have fun.“ #thisiswhywejam.

    🙂

    Adam
    #GSJam Co-initiator

    1. Hi Adam, sorry for not beeing that familiar with the correct terminology. (Didn’t even know there is one) I think we were meaning the same. But anyway, thanks for your feedback. we will try to correct this sometimes during the next days. And by the way: a very big thanks to you as co-initiator for starting something great like this…

  2. Thank you for the great summary! It has it all, and as it is somehow difficult to tell others who haven’t been there all the valuable aspects of the experience I will just share your blog post!
    Thanks also to Adam for the additional explanations!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.